Interview mit JuliaH

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Jetzt gehts schon fast Schlag auf Schlag auf unserer kleinen Seite hier. Ich freue mich euch nun schon das nächste Interview präsentieren zu dürfen und damit auch gleichzeitig eine etwas andere Stilrichtung als bisher gewohnt. Schonmal von Julia Humpfer aka JuliaH gehört?

Wer mit offenen Augen durch Stuttgart geht hat sicher schonmal etwas von ihr gesehen. Mit ihren sehr cleanen und stilistisch eigenen Illustrationen und Wandgestaltungen hat die charmante junge Frau schon die Wände des Wurst und Fleisch geschmückt, ist am Hans im Glück-Brunnen vertreten und auch schon in diversen Magazinen gefeatured worden, nur um ein paar zu nennen. Wünsche euch viel Spass mit dem Interview und freue mich damit auch frischen Wind auf unsere Seite zu bringen!

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Hi Juliah, stell dich unseren Lesern erstmal kurz vor. Wer bist du und was machst du?
Ich bin Juliah, aufgewachsen in Stuttgart, lebe seit 2010 vom Zeichnen und Malen. Ich mache sowohl klassische Illustration als auch vermehrt Wandgestaltungen. Character stehen meist im Zentrum meiner Bilder, am liebsten schwarz weiß, grafisch,exzessiver Einsatz von kleinen Mustern.

Beschreib uns deinen Weg zur Illustratorin, soweit ich weiss war er ja nicht unbedingt der direkteste.
Das is richtig, als Kind zweier Grafiker, hab ich es erst mal mit Psychologie probiert, musste dann aber Recht schnell doch dem Ruf meiner Natur folgen und bin zu Grafik Design an der Merz Aka gewechselt. Auch das war nur mäßig befriedigend. Also hab ich sofort nach meinem Diplom alle Vernunft über Bord geworfen und hab mich direkt als Illustrator selbstständig gemacht. Das war 2010.

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War etwas künstlerisches schon immer dein Wunsch bzw. Traumberuf oder hast du zuerst noch mit etwas "handfestem" gehadert?
Das Künstlerische hat mich schon immer wie selbstverständlich begleitet, war immer Teil von allem, was ich gemacht hab. Es kam mir lange gar nicht in den Sinn, dass ich davon auch Leben könnte. Diese Erkenntnis kam erst nach einigen (langweiligen) Ausflügen zum Handfesten.

Nenne uns ein paar deiner Inspirationen, seien es Personen, Lieder, Filme, Bücher oder oder oder...
Generell ist erst mal der Raum um das Bild herum wichtig. Die Wand oder Holzstück auf dem ich male bringt die Bilder hervor, nur selten geschieht das andersrum. Natürlich lese ich viel, höre Musik und dann sind das ganz unvorhersehbare Momente, die eine Idee in meinem Kopf entstehen lassen. Häufig genügt nur eine kleine Textzeile, ein Wort, das dann in mir schlummert um dann an dem passenden Ort an die Oberfläche meines Bewusstseins zu kriechen. Beispielsweise Oscar Wilde ist für mich eine unerschöpfliche Quelle, surrealistische Literatur aber eben auch Musik wie die von Body Bill, Dillon, Coco Rosie, Björk etc.

Deine Kunden sind ja sehr vielfältig. Für wen arbeitest du denn am liebsten?
So pauschal lässt sich das natürlich schwer beantworten. Vor allen Dingen mag ich die Abwechslung bei meiner Arbeit. Alles muss meist mega fix gehen, von der ersten Anfrage bis zum fertigen Bild sind normalerweise nur Tage, manchmal sogar nur Stunden. Man muss sich superschnell in die unterschiedlichsten Dinge reindenken, das mag ich sehr gerne. Natürlich hab ich die Jobs bei denen mir die meiste Freiheit gelassen wird am allerliebsten aber es reizt mich eben auch sehr für knifflige Themen spannende Lösungen zu finden. Eine gute Balance zwischen ansehnlichem Bild und anspruchsvollem Inhalt wird zum Beispiel bei Editorial Jobs, also Arbeiten für Magazine gefragt. Sehr gemocht hab ich beispielsweise die Zusammenarbeit mit der Monopol, die zahlreiche Headerillustrationen für die Feuilletons des Specialhefts München gebraucht haben, man bekommt die Texte und darf sich was einfallen lassen.

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Was war denn die skurrilste Kundensituation die du bisher hattest?
Vor ein paar Jahren bekam ich den Auftrag ein Pärchen für ihre Hochzeitseinladung zu portraitieren. Fand ich von vornherein ne schwierige Sache, sie wollten alles sehr romantisch im klassischen Stil, aber es waren Bekannte von Bekannten von mir und daher hab ich den Job eben angenommen. Die Braut hat sich auf der fertigen Zeichnung dann noch nicht so gut gefallen und wir haben eine ganze Weile angestrengt an ihrer Nase rumgedoktert, sie kleiner und schmaler gemacht etc, bis sie schließlich sehr zufrieden mit dem Bild von sich war. Nur schade, dass ihr Mann sie schließlich auf der überarbeiteten Version nicht mehr erkannt hat (;

War es schwierig für dich dir einen Namen zu machen oder wurde das schnell zum Selbstläufer?
Es steckt sehr viel Arbeit dahinter, Fleiß und Mut, das erste Jahr war hart, die Basis musste geschaffen werden, Aufträge generiert. Das zweite Jahr war noch härter, unfassbar viel Arbeit, keine Wochenenden, kein Urlaub. So langsam pendelt sich alles auf ein gutes Maß ein, und ich würde keinen anderen Weg gehen wollen. Draw all day, dance all night.

Dein Stil ist ja recht filigran, schnell erkennbar und eigen. War dies eine bewusste Entscheidung oder eine eher unbewusste Entwicklung?
Einer meiner Profs an der Hochschule sagte mal „mann muss sich um die Quantität kümmern, die Qualität kommt dann ganz von allein.“ Da steckt schon viel Wahrheit drin und gleichermassen kann sich der Stil dabei entfalten, wie eine Handschrift. Schon meine ganz frühen Zeichnungen in der 6. 7. Klasse sind unverkennbar meine, über die Jahre ist das natürlich konkreter geworden, der Strich entwickelt sich mit dem Material, den Medien, den Formaten. Klar gibt es Elemente, Farben, Motive die ich mal eine zeitlang intensiver einsetze die sich dann später wieder ganz verlieren, andere kommen dazu und werden fester Bestandteil weil ich sie einfach so mag. Ich liebe auch das Rumexperimentieren und ausprobieren, mag mich gar nicht zu sehr festlegen. Als ich zum Beispiel angefangen habe mit dem Rechner zu arbeiten hat das natürlich erst mal alles ganz schön durcheinander geschüttelt, und trotzen kommt zum Schluss doch immer etwas dabei raus, das andere Menschen als meines identifizieren können. Ich weiss nicht warum, ich mach das nicht absichtlich, es passiert eben.

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Du hast ja auch durchaus Kontakte zur Graffiti bzw. Streetartszene. Jedoch separierst du dich stilistisch und durch deine Art zu arbeiten schon noch zu einem gewissen Teil davon während ein anderer damit verschmilzt. Wie siehst du als "halb aussenstehend" die Graffiti und Streetartszene in Stuttgart?
Klein aber fein würde ich sagen. Man sollte mehr zusammen machen, und wenn es nur bedeutet, sich regelmäßig zum Sketchen zu treffen.

Wie ich dir ja schon ein paar mal gesagt habe solltest du es mal wagen großformatiger zu arbeiten, wann traust du dich?
Haha ja. Ich glaube ich mag die Zwischengröße nicht. Klein oder eben ganz groß

Man trifft dich ja auf vielen Veranstaltungen "junger Kunst" in Stuttgart. Wie wichtig sind z.B. Veranstaltungen wie "Kunst im Club" in deinen Augen für die Kunst an sich? Schmuckes aber unnötiges Beiwerk oder essentieller Teil davon?
Es gibt auf jeden Fall prima Festivals bei denen die Kunst absoluter Hauptbestandteil ist und das macht Spaß. Gerade bei Kunst im Club in Stuttgart oder zum Beispiel den Street Art Meetings in Berlin kommen viele Künstler zusammen, man malt zusammen, kann neue Projekte auskaspern und hat auch die Zeit und die Ruhe mit den Besuchern zu sprechen, was ja bei klassischen Galerien Veranstaltungen oft nicht möglich ist. Wichtig ist aber immer dass die Kunst und die Künstler nicht als Wurm am Haken dienen um Partypeople zu einer Veranstaltung zu locken.

Arbeitest du lieber allein oder ist es dir wichtig gemeinsam mit anderen etwas zu erschaffen?
So im tagtäglichen arbeiten bin ich sehr gern für mich alleine, schon alleine weil ich es sehr schwer finde mich mit anderen zeitlich zu takten. Bin ich aber völlig frei ist es das großartigste mit anderen an einem Bild zu malen, am besten in der Sonne

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Zum Ende auch bei dir noch der beliebte Smacktalk:

Digital oder Analog?
Analog

Heavy Metal oder HipHop?
Hiphop

Tarantino oder Spielberg?
Tarantino

Bier oder Wein?
Bier

Acryl oder Öl?
Acryl alles zu hundert Prozent (=

Zum Schluss noch die Gelegenheit ein paar Grüße und Shouts loszuwerden.
Grüße und Dank an Daniel T. Geiger, Marc C. Woehr, Beyond, Dingo, Alesh One, Sokar Uno, Pincheycolorea, Innerfields, El Bocho, Ray Moore und den ganzen Urban Art Clash

Besten Dank für das Interview!
Mehr von JuliaH könnt ihr auf ihrer Facebookseite sehen oder hier auf unserem Flickr!

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